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Wenn Daten das neue Öl sind, wie ein Experte sagt, muss Europa seine Quellen erschließen. Mit dem neuen europaweiten Big-Data-Netzwerk und den Initiativen der Europäischen Union soll sich das rasch ändern.

Die „Herausforderung Big Data“ ist für Màrta Nagy-Rothengass, Leiterin der Einheit „Data Policy and Innovation“ der Europäischen Kommission „äußerst wichtig für die europäische Union“. Und diese Herausforderung müsse eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten ergeben. Profitieren soll davon die Wirtschaft ebenso wie die Gesellschaft. Es geht darum, konkurrenzfähiger zu werden und die Unternehmen bei der digitalen Transformation zu unterstützen. Aber auch in Hinblick auf gesellschaftliche Herausforderungen – etwa das Gesundheitssystem oder die Umweltverschmutzung – sieht Nagy-Rothengass in Big-Data-Anwendungen viel Potenzial. Unterstützen will dies die Europäische Union einerseits durch „Community-Building“, andererseits aber auch durch die richtigen Rahmenbedingungen: etwa der rechtliche Hintergrund, öffentlich zugängliche Daten („Open Data“), Infrastruktur, die Förderung der Ausbildung im Bereich Data Science und natürlich die Vernetzung.

Vernetzen und voneinander lernen

Ein großer Schritt zu einer engeren Kooperation der Forschungszentren im Bereich Big Data in Europa ist das „European Network of National Big Data Centers of Excellence“, das bei der i-Know erstmals präsentiert wurde. 55 Zentren aus 15 verschiedenen Ländern sind derzeit in der Karte zu finden, inklusive Informationen zu ihrem Fokus und zu Industrie-Partnern. Federführend hinter dieser Initiative stehen Stefanie Lindstaedt, Geschäftsführerin des Know-Center und Volker Markl von der TU Berlin. „Wir wollen uns besser vernetzen“, so Lindstaedt, „und voneinander lernen“. Und es geht auch darum, „EU-Programme, nationale Initiativen und vor allem die Industrie besser miteinander zu verbinden“.

european-network-national-big-data-centers-excellence
http://i-know.tugraz.at/european-network/

Lücke zwischen Industrie und Forschung schließen

Die i-Know haben Vertreter der Forschungszentren genutzt, um die größten Herausforderungen zu definieren, zu denen laut Markl unter anderem die geringe Anzahl an Spin-offs, also unmittelbare Geschäftsgründung von Universitäten zählt. „Die Lücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu schließen ist essentiell, aber auch die größte Herausforderung.“ Auch bestehe, was Generierung von Geschäftsmodellen aus Big Data betrifft, ein Ungleichgewicht zwischen den USA und Europa – und akuter Handlungsbedarf: „Wenn Daten das neue Öl sind, müssen wir sicherstellen, dass auch Europa ein bisschen Öl hat“, verweist Markl auf große „Datensammler“ wie Google, Facebook und Amazon, die ihren Sitz alle in den USA haben.

Grundlagenforschung als Basis

Um die digitale Transformation der europäischen Wirtschaft voranzutreiben bzw. neue Geschäftsmodelle und Unternehmen zu fördern, müsse man laut Markl bei der Basis ansetzen, wie ein Blick nach Amerika bestätigt:

„Amerika hat schon lange vor Europa im Bereich Big Data geforscht und damit eine wichtige Voraussetzung für die Unternehmen im Silicon Valley geschaffen.“

Das Forschungspotenzial im Bereich Big Data ist aber auch heute noch groß, „es gibt noch immens viele leere Flecken und damit auch viele Chancen für Europa, die Basis für Innovationen und Geschäftsmodelle zu schaffen.“ Und auch für dieses Ziel ebnet die bessere Vernetzung der Forschungseinrichtungen über das „European Network of National Big Data Centers of Excellence“ die (Datenauto-)bahnen.