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Die Styria Media Group erwirtschaftet immer noch Erlöse im Printgeschäft, doch die Digitalisierung macht auch vor einem regionalen Medienhaus nicht halt. Die Mutter der Kleinen Zeitung und der Presse wagt inmitten des Medienwandels erste Schritte in Richtung Paid Content und setzt vor allem auf erfolgreiche Marketplaces.

Die Kleine Zeitung wurde 1904 gegründet, die Tageszeitung „Die Presse“ gar 1848. Beide sind tief im Printgeschäft verwurzelt, wie auch ihr Mutterkonzern, die Styria Media Group AG. Doch die Zeiten sind für Medienhäuser keine einfachen. Anzeigenvolumina wie auch Erlöse gehen zurück, die digitale Konkurrenz ist allgegenwärtig.

„Konservatives Haus“

„Jeder spart. Und wo sparen Unternehmen zuerst? Im Marketing“, sagt Thomas Zapf, Head of Media Technology bei der Styria Media Group AG. „Das trifft uns sehr.“ Sehr ehrlich schildert Zapf bei der iKnow in seiner Keynote „Content meets Technology – Digitalization in the Media Industry“ den schwierigen Prozess ein „konservatives Haus“ in der digitalen Wirtschaftswelt zu verankern. „Wir tun uns schwer mit einer Start-up-Mentalität.“

Kaum funktionierende Pay-Walls

Das vorrangige Problem, das es zu lösen gilt, ist laut Zapf: „Wie schafft man es die Reichweite zu kommerzialisieren?“ Denn jeder Euro, den man im Printgeschäft verdient habe, sei in der Onlinewelt lediglich ein Cent. Weltweit gibt es kaum funktionierende Pay-Walls bei Medienangeboten. Vorbilder seien Deutschland und Skandinavien: „Die sind uns im Digital-Geschäft um Jahre voraus.“

Lernen, was in Sachen Paid Content funktioniert

Für das Konzern-Flaggschiff, die Kleine Zeitung, ist man aktuell gerade dabei, eine Bezahlschranke einzuführen. „Plus“ heißt das Angebot. Noch reicht es für User, sich lediglich einzuloggen, um auf Plus-Inhalte zugreifen zu können, in wenigen Wochen wird das Angebot dann kostenpflichtig. „Wir müssen erst lernen, was in Sachen Paid Content bzw. Plus funktioniert und was nicht.“

Maßgeschneiderte Angebote

Dabei will die Styria auch vermehrt auf Daten-Analyse zurückgreifen. Der Kernfokus liegt in den kommenden 3 Jahren darauf, mehr und mehr Infos und Wissen über die Kunden bzw. User zu sammeln. Mit diesen wolle man dann passende Packages schnüren. „Maßgeschneiderte Angebote zu schnüren, da sind wir noch etwas schwerfällig, aber wir werden besser“, sagt Zapf.  Nicht schwerfällig ist das Angebot von miss.at.  „Hier sind wir sehr stark, haben bei jungen Konsumenten eine extreme Reichweite“, sagt Zapf. Das Print-Magazin sei hier eher nur Beiwerk, der Hauptfokus liege auf den sozialen Kanälen. So hat der Video-Feed zum Beispiel  179.688 User, über 21.000 Video-Views und eine Click-Rate von 12,6 Prozent.

Markenshops als Ergänzung

Neben den Content-Angeboten setzt die Styria schon länger auf Marketplaces. Angebunden an die Websites der Kleinen Zeitung wie auch der Presse sind Markenshops. Erfolgreichster Marketplace bzw. Portal ist aber willhaben.at. In Kroatien, in der die Styria ebenso breit aufgestellt ist, ist man mit einem ähnlichen Portal ebenso Marktführer.

Styria:First nennt sich der Plan, mit dem das steirische Medienhaus den digitalen Wandel schaffen möchte. Die wichtigsten 3 Punkte schildert Zapf wie folgt:

  1. Das Kerngeschäft auf die nächste Ebene heben – die Performance aller Styria-Brands verbessern und diese weiterentwickeln
  2. Technische Innovation pflegen und Exzellenz entwickeln – zielt darauf ab, die Styria in Sachen technologischer Innovation aufzurüsten und Know-How aufzubauen
  3. Organisatorische und kulturelle Weiterentwicklung vorantreiben – zielt darauf ab, individuelle Brands in eine Gruppe von Firmen mit dem Namen „Styria“ zu verwandeln