Weil das Smartphone der persönlichste aller Computer ist, gibt er über unsere Verhaltensweisen Aufschluss. Die Spanierin Nuria Oliver versucht für Telefonica Geschäftsmodelle zu entwickeln, die auf den menschlichen Verhaltensmustern im Umgang mit dem Smartphone basieren.

Mit niemandem verbringen wir mehr Zeit als mit unserem Smartphone. Niemand kennt unsere Vorlieben besser, als der kleine Hochleistungscomputer in unseren Händen und Taschen. Dies sind die zwei wichtigsten Gründe, wieso Nuria Oliver sich 2004 in ihrer Forschungsarbeit auf das Mobiltelefon konzentriert hat. In dieser entwickelte sie Modelle menschlichen Verhaltens, die in Telefondaten begründet liegen. „Das Smartphone ist der persönlichste Computer, den es gibt“, sagt Oliver bei ihrer Keynote auf der i-Know in Graz.

Nuria Oliver ist Scientific Director bei dem spanischen Telekommunikationskonzern Telefonica. Sie forschte am MIT und arbeitete für Microsoft. Was die Daten aus Smartphones so wertvoll macht, ist laut Oliver auch die Verbreitung dieser Devices. „Smartphones sind ein globaler Trend, überall auf der Welt werden sie verwendet.“

Data analytics: Es braucht einen Code of Conduct

Und mit dieser schieren Unmenge an Daten könne man vieles anstellen. Wobei Oliver „anstellen“  im besten Sinne meint. Sie ist eine Verfechterin davon, die Regeln einzuhalten, die es in Bezug auf persönliche Daten gibt. „Es braucht einen Code of Conduct, wie wir mit Daten umgehen, was wir tun dürfen und was nicht.“

Zuletzt beschäftigte sich Nuria Oliver mit der Frage, ob man von der Smartphone-Nutzung auf Langeweile des Benutzers schließen kann. Durchgeführt wurde die Studie mit der Hilfe von zwei Apps, die selbstlernend waren. Das Ergebnis: Man kann Langeweile von Usern aufgrund des Nutzungsverhaltens mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 bis 83 Prozent erkennen.

Aufmerksamkeit ist wertvoll

Nun stellt sich natürlich die Frage, was bringt diese Erkenntnis. Aufmerksamkeit ist ein rares Gut in unserer heutigen Zeit. „Wenn Smartphones erkennen können, dass ihre Besitzer lediglich Zeit totschlagen, könnten sie dann nicht auch Vorschläge machen, die Zeit besser zu nutzen?“ fragt Oliver.

Denn, was bedeutet es, wenn wir gelangweilt sind? Wir sind auf der Suche nach Stimulation. Dies wiederum bedeutet, dass wir offen für Vorschläge sind. Und hier ist der Punkt, an dem sich Geschäftsmodelle entwickeln könnten – Telefonica arbeitet laut Oliver aktuell an solchen. Man kann zum Beispiel Artikel zu Themen vorschlagen, die den User interessieren. Diese Nutzung könnte für Medienhäuser nützlich sein. Oder man könnte ihm ein Produkt anbieten, dass er schon länger im Auge hat – dies wiederum könnte Handelsunternehmen zugutekommen. Oder man könnte den Vorschlag machen, einmal die Großmutter anzurufen.

Technologie muss nicht immer Teil der Lösung sein

Oliver hat untersucht, was passiert, wenn man gelangweilten Usern Lesevorschläge zukommen lässt. Das Ergebnis ist erstaunlich: Während lediglich 8 Prozent der Versuchsteilnehmer auf den vorgeschlagenen Link tippten, wenn sie laut BoreApp nicht gelangweilt waren, haben 20,5 Prozent das Klickangebot genutzt, die das System als gelangweilt eingestuft hat.

Eine weitere Möglichkeit die Erkenntnisse der Boreapp zu nutzen, wäre, den Nutzer vor unwichtigen Nachrichten zu schützen, wenn diese nicht gelangweilt sind. Und dann wäre da noch die unkonventionellste aller Varianten: Langeweile fördern! Das Smartphone könnte dem User auch mitteilen: Langeweile ist gut für dich, wieso schaltest du mich nicht aus? „Wenn wir möchten, dass uns Technologie weiterhilft, dann muss die Technologie nicht notwendigerweise immer Teil der Lösung sein“, sagt Oliver.