Digitalisierung und Big Data erschüttern und verändern unsere Mobilität. Der Kartendienst HERE sowie das Lufthansa-Spin-off #ZeroG suchen den Weg zum Erfolg über Personalisierung und für Kunden individuell maßgeschneiderte Produkte.

Als Tesla-Gründer Elon Musk bekanntgab, alle Fahrzeuge ab sofort mit der Hardware auszurüsten, welche vollautonomes Fahren gewährleistet, war der Aufschrei groß. Acht Kameras statt bisher einer, Ultraschall- und Radar-Sensoren mit höherer Reichweite und Auflösung sowie 40 Mal mehr Rechenleistung im Computer – die dazugehörige Software werde zu einem späteren Zeitpunkt geliefert. Und dennoch: Autonomes Fahren ist keine Zukunftsmusik mehr. Die Fahrzeugindustrie durchläuft aktuell einen nie zuvor dagewesenen Wandel, begründet in der Digitalisierung unserer Welt.

„Die Verschiebung hin zu voll autonomen Fahrzeugen ist eine enorme Herausforderung“, sagt Michael Bültmann von HERE, einem Anbieter von Online-Kartendienst sowie Navigationsprogramm. Seit Ende 2015 gehört das Unternehmen, das mehr als 7.000 Mitarbeiter weltweit beschäftigt und ursprünglich Karten für Nokia entwickelt hat, zu je einem Drittel Audi, BMW und Daimler.

Das Fahrzeug wird zum Sensor

Zurück zur Herausforderung: Diese liegt vor allem in den enormen Datenmengen begründet. Autos empfangen nicht nur Verkehrsdaten, „jedes Fahrzeug wird selbst zum Sensor auf der Straße und wird Daten an andere Fahrzeuge und in die Cloud übermitteln“, sagt Bültmann in Graz bei der iKnow. Die Autos werden ständig online sein, und in Echtzeit vor Hindernissen warnen bzw. diese umfahren: „Im besten Fall werden sie gar nicht mehr in die Lage kommen im Stau zu stehen, weil das Auto diesen von vornherein umfährt.“

Diese Datenmengen müssen die Netzwerke aber bewältigen können. Flächendeckend LTE wäre das Pflichtprogramm, so Bültmann. Zudem geht es auch um die Diskussion, wem die Daten, die das Fahrzeug sammelt gehören. „Dem Anbieter des Navigationssystems, dem OEM? Hier werden wir noch einige Diskussionen vor uns haben.“

Daten sind zum Spielen da

Bültmann plädiert für einen offeneren Umgang mit Daten. Regierungen hätten Skrupel, Daten weiterzugeben. „Aber wir müssen mit Daten spielen können, um erkunden zu können, was alles möglich ist, welche Produkte wir entwickeln können.“ Schwierig ist es zudem, festzulegen, welche Daten geteilt werden dürfen. „Das ist keine Schwarz-Weiß-Entscheidung, da werden wir oft von Fall zu Fall entscheiden und noch viel dazulernen müssen.“

Auch im Kartenbusiness ist Personalisierung der Trend der Stunde. „Nur mehr die kürzeste Strecke im Navigationssystem anzubieten wird in Zukunft nicht mehr ausreichen“, sagt Bültmann. Und er bringt ein Beispiel: Man fährt zum Beispiel mit seinen Kindern im Elektroauto, muss dieses innerhalb einer bestimmten Zeit aufladen. Das Navigationssystem sagt einem in diesem Fall nicht nur die nächste Ladestation. „Wir zeigen ihnen die nächste Ladestation, die auch wirklich frei ist, gleich neben einem Café, in dem Sie mit ihren Kindern eine Pause machen können.“

Der Gamechanger der Luftfahrt

Big Data wird nicht nur zu ebener Erde das Kundenerlebnis verändern, in der Luft wird ähnliches geschehen – davon ist Andreas Ribbrock von #ZeroG überzeugt. #ZeroG ist ein Spin-off der Lufthansa, das sich mit Data Science und der Entwicklung von datenbasierten Produkten beschäftigt.

„Big Data ist ein Gamechanger in der Luftfahrt.“ Dieser Game Changer wird alle Bereiche berühren, vom genaueren und dadurch kostengünstigeren Management der Wartungsarbeiten über die Optimierung der Flugrouten bis hin zum Kundengeschäft.

Maßgeschneiderte Pakete dank Big Data

„Daten sind der Schlüssel um die Wünsche unserer Kunden genau zu verstehen“, sagt Ribbrock. „So können wir unsere Packages genauer auf die Kunden abstimmen und können den Kunden diese auch zum richtigen Zeitpunkt anbieten.“ Man könne zum Beispiel über eine mobile App einem Kunden einen Voucher für einen Aufenthalt in einer Lounge anbieten, wenn ein Flug Verspätung hat. Die Folge: Die Kundenzufriedenheit und somit auch die Loyalität zur Marke Lufthansa werden erhöht.

#ZeroG geht es auch darum, das Angebot über den Flug hinaus auszuweiten. „Wir denken hier an Kooperationen mit Taxis, die über eine Plattform angeboten werden könnten“, so Ribbrock. Über kurz oder lang soll sich Lufthansa dann zu einem One-Stop-Shop in Sachen Reisen entwickeln.

Damit derartige Geschäftsmodelle aber gelingen können, muss man die unterschiedlichen Daten zusammenbringen: Jene der Kunden, jene der Airlines und die unterschiedlichsten externen. Denn aktuell haben die Airlines was Daten anbelangt, ein großes Problem: Buchungsplattformen. Bucht ein Kunde seinen Flug zum Beispiel über Checkfelix und nicht über die Airline-eigene Website, bekommen die Airlines nur jene Daten, die unmittelbar für die Buchung relevant sind. „Und so können wir auch keine personalisierten Services anbieten, mit denen wir Geld verdienen“, sagt Ribbrock.

Das Fazit

Als kurz und schmerzloses Fazit hier die Strategie von #ZeroG und Lufthansa für die Weiterentwicklung in Sachen Big Data:

  1. Enhance
    Weiterentwickeln von bestehen statistischen Werkzeugen und Prozessen
  2. Enrich
    Einbetten von Datenanalyse in bestehende Prozesse
  3. Employ
    Kreieren von neuen, datenbasierten Produkten