Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Kulturelle Veränderungen, technische und digitale Entwicklungen veranlassen Unternehmen sich immer wieder Gedanken zu machen ob sie noch auf dem richtigen Weg sind. Das gilt für Klein- und Mittelbetriebe genauso wie für die Big Player in der Industrie.

Macht sich ein Unternehmen Gedanken darüber neue Kundensegmente zu erschließen, mehr Profit zu machen, ein neues Produkt einzuführen oder neue Vertriebs- und Kommunikationskanäle zu nutzen ist der erste Schritt in Richtung Business Model Innovation getan. Oft wenn der Prozess oft gar nicht als solcher benannt wird, wie Harry Bouwman, Delft University of Technologies / Niederlande erklärt: „In dem Moment, wo man beginnt, sich über sein Unternehmen und die bislang nicht ausgeschöpften Potentiale Gedanken zu machen, kann man von Business Model Innovation sprechen.“

Die Vorteile einer Veränderung

Laut einer Studie von Envision, ein von der EU gefördertes Projekt zum Aufbau von Business Model Innovation, haben sich 37% der europäischen Klein- und Mittelbetriebe genau damit beschäftigt. Die Optimierung der Produkte und Dienstleistungen sowie die Einführung von gewinnbringenderen Prozessen stehen ganz oben auf der Liste in Sachen Business Model Innovation. Die österreichischen Klein- und Mittelbetriebe unterscheiden sich zu ihren europäischen Kollegen dahingehend, dass sie nicht so sehr auf Wachstum und Erschließung neuer Marktsegmente setzen sondern auf Prozesse, die Ihren Profit steigern.

Egal welches Ziel man als Unternehmen, Entrepeneur oder Start Up hat, alleine sich mit dem Gedanken seines persönlichen Business Modells zu befassen und die Kernaktivitäten und USPs zu definieren, macht laut Bouwman Sinn. Der Fokus wird zurück auf das Wesentliche gerichtet und die Positionierung am Markt und gegenüber den Kunden wird dadurch wieder geschärft.

Der treibende Faktor Digitalisierung

Neben kulturellen Veränderungen und einer nie dagewesenen Geschwindigkeit von neuen Entwicklungen war die Digitalisierung über die letzten beiden Jahrzehnte einer der Hauptfaktoren, die Unternehmen bewegt hat, sich mit ihrem Business Model auseinander zu setzen. Kleine wie große. Um die Jahrtausendwende betrachteten selbst Sony Music Germany oder General Electric Europe die Entwicklung skeptisch um einige Jahre später aktiv zu werden.

„Die digitale Transformation ist aber kein Prozess, der in einem Sitzungssaal ‚beschlossen‘ wird, es ist ein Lernprozess, der sich durch alle Abteilungen zieht“, sagt Carlos Härtel von GE Europe. Das Unternehmen hat seine defensive Haltung der Digitalisierung gegenüber, die sich 2010 auf den Schutz von Serviceverträgen beschränkt hat, Schritt für Schritt abgelegt und sich dabei zu einem führenden digitalen Industrieunternehmen entwickelt. Wesentliche Meilensteine dabei sind die Optimierung der Produktivität, die Entwicklung von Apps für Kunden sowie das Bereitstellen von Predix. Die Plattform wurde ursprünglich für die digitale Transformation der GE-internen Prozesse in Branchen von Luftfahrt bis zur Versorgungsindustrie entwickelt und wurde auch schon erfolgreich von anderen Unternehmen der Industrie adaptiert.

Das Ende ist der Anfang

Sobald die Digitalisierung sich innerhalb interner Strukturen durchgesetzt und die Kunden eine klare Wertvorstellung davon haben, wie sie mit Tools und Daten ihre Prozesse optimieren können – dann könnte es sein, dass wir am Ende der digitalen Transformation angelangt sind in dem Sinne wie wir sie jetzt kennen, erklärt Härtel den Prozess. Das Ende einer Business Model Innovation wird immer sein Anfang sein und sowohl für Industrieunternehmen als auch für Klein- und Mittelbetriebe bedeutet das so flexibel wie möglich zu bleiben – im Denken und in den Strukturen.