Welche Zutaten gutes Design benötigt, hat Russ Wilson, Head of Design bei Google, auf der iKnow in Graz erläutert. Er hat sein Wissen kompakt in 10 Punkte verpackt.

Russ Wilson hat für IBM, Microsoft gearbeitet, aktuell ist er bei Google Head of Design. Der Mann weiß also wovon er spricht, wenn er seine Keynote mit dem Titel „Big Data Visualization – Building a world class design organization“ vorträgt. „Wir haben alle Zutaten, um gutes Design für die User zu produzieren, aber wir tun es immer noch in den seltensten Fällen“, sagt Wilson in Graz. Und mit gutem Design meint er nicht unbedingt nur optisch hübsche Lösungen.  Er meint Lösungen, die funktionieren und dem User einen Mehrwert bringen.

Zwei Start-Ups hat Wilson selbst aufgebaut. „Eines war wahnsinnig erfolgreich, das andere war ein Desaster – gelernt habe ich aus dem Desaster mehr.“ Die Essenz seiner Erfahrung verpackt Wilson in 10 Punkte, die er in Graz präsentierte. 10 Punkte, die helfen können das Design und die Usability von Software zu steigern und die Arbeit daran effizienter zu gestalten. „Einige dieser Punkte werden Sie kennen“, sagt Wilson. „Denn Sie haben sich selbst ähnliches sicher auch schon oft gedacht.“

  1. A high-potential UX organization works directly with real users on a regular basis.

„Ich weiß nicht, wie man überhaupt exzellente Design-Lösungen entwickeln kann, ohne die User in die Entstehung einzubinden”, sagt Wilson. Interaktion mit Kunden ist essenziell, um erfolgreich zu sein. Man muss die Ansprüche und Erwartungen der Kunden kennen, um diese erfüllen zu können.

  1. A high-potential UX organization understands the technology it is working with.

Um ein außergewöhnliches Produkt entwickeln zu können, muss man seine eigene Technologie, sein eigenes Produkt bis ins kleinste Detail verstehen. Zum Beispiel kann man nur eine Anwendung einfacher gestalten, wenn man weiß, worauf man verzichten kann. Wilson beendet seine Ausführungen dieses Punktes mit einem Zitat von Mark Bauer (Airware Software): „Man kann nicht etwas effektiv vereinfachen, wenn man nicht versteht, wie es funktioniert.“

  1. A high-potential UX organization designs for the present and for the future.

Sich nur auf die Gegenwart oder nur auf die Zukunft zu konzentrieren, wird nicht funktionieren, so Wilson. Was meint er damit? Man muss die aktuellen Erwartungen der Kunden und User erfüllen können, man muss aber auch über den Weitblick verfügen, zukünftige Wünsche erkennen zu können. Um seine Ausführungen zu illustrieren, zitiert er Diana Vreeland (Vogue USA):  „Man soll Menschen nicht geben was sie wollen. Man soll Menschen etwas geben, wovon sie noch nicht wissen, dass sie es in Zukunft haben wollen werden.“ Wilson bringt als Beispiel dafür das Zeitalter der Klapphandys: „Damals hätte ich mir vielleicht gewünscht, dass das Klapphandy etwas schmaler wäre. Niemals hätte ich mir gewünscht, was Apple dann mit dem ersten iPhone entwickelt hat.

  1. A high-potential UX organization focuses on solving real problems.

Dies ist die logische Fortführung von Punkt eins. Konsequente Interaktion mit Kunden und Usern, zuhören was diese brauchen und so sinnvolle Produkte entwickeln. Denn nur diese verkaufen sich und tragen zum Firmenerfolg bei.

  1. A high-potential UX organization executes.

Natürlich ist Planung wichtig und Perfektion grundsätzlich nichts Schlechtes. „Aber irgendwann muss man zu arbeiten und umzusetzen beginnen“, sagt Wilson. „Vermeiden Sie die Lähmung aufgrund von Perfektion.“ Seine Tipps für eine reibungslose Arbeitsabwicklung lauten: Klare Rollenverteilung, einen Prototyp erstellen, um die Spezifikationen des Projekts abzustecken, wöchentliche Sprints, Definition von allumfassenden Zielen und vor allem: Keine technische Umsetzung, bevor das Design-Team sein OK gegeben hat.

  1. A high-potential UX organization says no.

Jeder von uns kennt das: Der Chef kommt und hätte gerne etwas erledigt. Am besten schnell. Und man möchte helfen und sagt „ja“. Aber man hat eigentlich nicht die Ressourcen, um einen guten Job zu machen. „Versuchen Sie, solche Situationen zu vermeiden, beteiligen Sie sich nur, wenn Sie etwas Sinnvolles beisteuern können“, rät Wilson. Gute Produkte brauchen Aufmerksamkeit. „Wenn Sie einmal Hand an das Projekt gelegt haben, sollte es sehr, sehr gut sein. Im Nachhinein interessieren Ihre Entschuldigungen, wieso etwas nicht ganz so gut geworden ist niemanden mehr. Vor allem nicht den User.“

  1. A high-potential UX organization sets clear expectations.

Es gibt immer Diskussionen, wie viel Arbeit man in die Entwicklung eines Produkts steckt. Wer größeren Anteil daran hat, wie genau man ins Detail geht. Außergewöhnliches Design ist für den Erfolg eines Produktes ausschlaggebend, ist Wilson überzeugt. Deswegen sollte man als Unternehmen, das auf Usability spezialisiert ist besonderes Augenmerk auf den Designaufwand legen. „Reduziert man den Designaufwand, riskiert man automatisch ein schlechteres Ergebnis.“ Und somit auch einen geringeren geschäftlichen Erfolg.

  1. A high-potential UX organization collaborates with partners well.

Was braucht es, um eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu entwickeln? Alle involvierten Partner müssen den Wert der Zusammenarbeit verstehen, das heißt, jeder muss für sich etwas mitnehmen können. Reibungsfreies Arbeiten wird einfacher, wenn jeder ganz klar über seine Rolle, seine Aufgaben und Pflichten Bescheid weiß, wenn man sich gegenseitig respektiert und vertraut. Vor allem dafür braucht es „Face-To-Face-Time“, so Wilson. Und man sollte versuchen, Flaschenhälse zu vermeiden. Man sollte also so arbeiten, dass kein Teil des Teams auf das Ergebnis eines anderen warten muss, um selbst tätig zu werden.

  1. A high-potential UX organization has executive support from the top down.

Dieser Punkt ist quasi selbsterklärend. Um erfolgreich arbeiten zu können, braucht man die Unterstützung und das Vertrauen seines Vorgesetzten. Egal auf welcher Ebene der Hierarchie.

  1. A high-potential UX-organization believes its employees are as important as its customers.

Der Kunde ist König lautet das Sprichwort. Für Wilson stimmt das so nicht. Der Kunde ist auf keinen Fall ein Alleinherrscher. „Wir beschäftigen exzellente Mitarbeiter, wir wollen diese halten, um erfolgreich zu sein. Deswegen müssen wir für ein gutes Arbeitsklima sorgen.“ Kundenwünsche zu erfüllen, auch gegen die Expertise der eigenen Mitarbeiter, ist für Wilson falsch. „Wir müssen auf unsere Mitarbeiter hören.“